J wie Jungvieh

Die Kuh von morgen: Warum sich eine kluge Jungvieh-Planung heute auszahlt

Wer wächst, baut meist zuerst für die Leistungsträger: Ein neuer Milchviehstall entsteht. Hier wird nicht gespart – Licht, Luft, höchster Kuhkomfort und rutschfeste Gänge sind Standard, schließlich sichert die Milchkuh das Einkommen.

Doch wie sieht es beim Jungvieh aus? Oft ist die Realität ernüchternd. Da die Aufzucht zunächst "nur" Kosten verursacht, wird beim Kälber- oder Jungviehstall oft der Rotstift angesetzt. Die Folgen sind fatal: Überbelegung in Altgebäuden, schlechteres Wachstum, ein höheres Erstkalbealter und am Ende eine geringere Lebensleistung.
Dabei gilt eine goldene Regel: Die Investition in das Kalb von heute ist der Gewinn der Kuh von morgen. Alles, was wir in die Aufzucht stecken, zahlt die Milchkuh später doppelt zurück.

Behalten oder Auslagern? Die strategische Weichenstellung

Bevor der erste Plan gezeichnet wird, steht die Grundsatzentscheidung an: Ziehen wir selbst auf oder lagern wir aus?
  • Eigenbestandsaufzucht: Maximale Kontrolle und ein „geschlossenes System“, das das Risiko für eingeschleppte Krankheiten minimiert.
  • Auslagerung/Zukauf: Ob Partnerbetrieb oder kompletter Verkauf mit späterem Zukauf von Kalbinnen – hier müssen Biosicherheit und Logistik genau geprüft werden, da kein geschlossenes System vorliegt.
So berechnest du deinen Platzbedarf präzise

Wer sich für die eigene Aufzucht entscheidet, muss rechnen. Die Anzahl der benötigten Plätze hängt von weit mehr Faktoren ab als nur der Kuhanzahl:
  • Zwischenkalbezeit (ZKZ): Eine längere ZKZ bedeutet weniger Kälber pro Jahr und somit weniger Platzbedarf.
  • Erstkalbealter (EKA): Je früher die Belegung, desto kürzer die Aufenthaltsdauer im Jungviehbereich.
  • Remontierungsrate: Sie bestimmt, wie viele Kalbinnen zur Bestanderhaltung nötig sind. Eine hohe Rate bedeutet mehr Nachzucht, aber auch mehr Selektionsmöglichkeiten.
  • Selektionszeitpunkt: Werden Tiere als Absetzer oder erst als Erstlingskühe verkauft? Das beeinflusst die Belegung massiv.
  • Gesextes Sperma: Der Einsatz verschiebt das Verhältnis zu mehr weiblicher Nachzucht – und erhöht den Platzbedarf im Aufzuchtstall.
  • Kälberverluste & Reserven: Plane immer Puffer für Reinigungszyklen und Abkalbespitzen ein, um den Keimdruck niedrig zu halten.
Struktur im Jungviehstall: Von Gruppen und Gewicht

Ein guter Stall folgt der Entwicklung der Tiere. Die Gruppen sollten nach Alter und Gewicht eingeteilt werden, wobei der Altersunterschied maximal sechs Monate betragen sollte. Kleine Gruppen sind hierbei immer großen Einheiten vorzuziehen.

Minichshofer-Tipp: Nutze im Jungviehbereich die gleiche Aufstallung wie im späteren Milchviehstall (z.B. AMS-Gewöhnung). Das reduziert den Stress bei der späteren Eingliederung enorm.
Der Kälberbereich: Das Fundament des Erfolgs

Die Planung für die kleinsten Bewohner ist die anspruchsvollste. Themen wie Belüftung, Hygiene und Tränkemanagement stehen hier an erster Stelle.

Die ersten 14 Tage: Einzelhaltung
In den ersten zwei Wochen ist die Einzelbox ideal. Sie bietet ein geschütztes Mikroklima und erlaubt eine genaue Kontrolle der Futteraufnahme und Gesundheit. Wichtig: Eine intensive Fütterung ist Pflicht, damit Krankheiten nicht durch eine Unterversorgung maskiert werden.

Ab der 3. Woche: Der Schritt in die Gruppe
Nach der Einzelphase wechseln gesunde Kälber in Kleingruppen. Hier gibt es zwei bewährte Wege - Twin-Haltung und Paarhaltung: 
  • Durch herausnehmbare Seitenwände zwischen den Einzelboxen entsteht ohne Umstallungsstress eine Zweier- oder Dreiergruppe. Das senkt das Stresslevel bei der späteren Großgruppen-Eingliederung massiv.
  • Tränkeautomat: Ideal für größere Gruppen (ca. 20 Tiere pro Station). Hier übernimmt die Datenauswertung des Trinkverhaltens einen Teil der Krankheitsüberwachung.

Investitionen Lebenszyklus Stallbau

Fazit: Eine professionell geplante Jungviehaufzucht ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wachstumsmotor.


Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Höhere tägliche Zunahmen und gesundere Tiere.
  • Kürzere Aufzuchtdauer und ein niedrigeres Erstkalbealter.
  • Höhere Einsatzleistung in der ersten Laktation.

Geringerer Platzbedarf durch effiziente Abläufe.


Wer heute klug für sein Jungvieh plant, melkt morgen den Erfolg!